"Ich bin Wolfsexperte und Verhaltensforscher", beschreibt de Bruin seine Beziehung zu den Wildtieren. Die Suche nach einem größeren Gelände hätte ihn an den Niederrhein geführt. "Ich habe für viel Geld das Gehege gebaut. So einfach kann ich hier nicht wieder weg", erklärt de Bruin sein Dilemma. "Jetzt muss ich meine Wölfe vielleicht töten"."Wir haben keine Bedenken, es spricht nichts dagegen." So hatte der Kreis Wesel die Genehmigung des Sonsbecker Wolfsgeheges im Dezember kommentiert - bevor sich Pferdefreund Thomas Kosch juristisch wehrte. "Wir haben die nachbarschaftlichen Belange vorher geprüft, aber anders eingeschätzt als das Gericht", erklärt der zuständige Fachbereichsleiter Dieter Scholber die Entscheidung des Kreises. "Ob etwas zumutbar ist oder nicht, darüber kann man streiten."
Zumutbare Nachbarn
Dass der Kreis Wesel zu seiner Einschätzung steht, dass Wölfe zumutbare Nachbarn sind, hilft Jos de Bruin letztendlich nicht weiter. Denn gegen die Entscheidung des Gerichts angehen wird der Kreis Wesel wohl nicht. "Wir werden uns wahrscheinlich an den Beschluss halten müssen", schätzt Dieter Scholber die Lage ein. Festlegen mochte er sich gestern allerdings noch nicht.
"Ich glaube nicht, dass meine Tiere noch eine Chance haben", blickt Jos de Bruin besorgt in die Zukunft. "Ich müsste wissenschaftlich beweisen, dass keine Probleme zwischen Wölfen und Pferden zu erwarten sind. Das ist sehr schwierig."
Pferdehalter Thomas Kosch hat dem Gericht ein zehnseitiges Gutachten eines Sachverständigen für Pferdesport und -haltung vorgelegt. Das Fazit: Flucht- und Raubtiere können nicht nebeneinander gehalten werden.
Jos de Bruin hat noch einen weiteren Nachbarn. Auch Joseph Küsters wohnt Tür an Tür mit den Wölfen. Der Mann ist ebenfalls Reiter und hat einen Stall voller Pferde. Den Wirbel darum kann der Sonsbecker nicht nachvollziehen.
"Meine Pferde stören sich nicht an den Wölfen. Die würden sich eher vor Hunden erschrecken." Der Mann macht den Praxistest. Er führt Stute Carmen zum Wolfsgehege. Das Pferd bleibt gelassen, die Wölfe verkrümeln sich. "Die haben Angst vor Menschen und Pferden", sagt Jos de Bruin.
23.01.2006 JULIA MÜLLER